Treffpunkt Olten: Rede eines Flüchtlings am 22.12.2017

"Ich werde die Hilfe nie vergessen."

Am 22. Dezember 2017 fand im CULTIBO ein Jahresabschluss-Fest des Treffpunkts Olten für Asylbewerber und -bewerberinnen von CARITAS Solothurn statt. Ein Gast, der sich noch im Asylverfahren befindet, hat offene Worte an die Anwesenden gerichtet.

„Guten Abend meine Damen und Herren. Ich begrüsse Sie ganz herzlich zu meiner heutigen Rede in Bezug zu Flüchtlingen, die es hier gibt oder die noch kommen werden. Ich freue mich, bei Euch zu sein.

Ich stelle mich kurz vor, dass Sie wissen, wer ich bin. Ich heisse Nabi und komme aus Afghanistan und lebe seit zwei Jahren als Flüchtling in der Schweiz. In meiner Heimat habe ich viel Angst und Leid erlebt. Es war schwer von meiner Familie wegzugehen.
Ich bedanke mich sehr bei CARITAS, dass sie uns Flüchtlingen hilft auf vielerlei Art und manchmal organisiert sie auch ein schönes Fest, wo wir alle uns treffen können mit ausländischen und Schweizerfamilien. So bekommen wir die Möglichkeit, mit Schweizer Menschen Kontakte zu knüpfen und vor allem uns besser unter den Schweizern integrieren zu können. Ich werde die Hilfe nie vergessen.

Es gibt aber auch Menschen, die sich über die Flüchtlinge negative Gedanken machen, sie meinen, dass Ausländer ihre Arbeitsstellen wegnehmen. Zum Teil stimmt es schon, wenn die Firmen Leute einstellen, die noch keine Ausbildung gemacht haben und so ist es natürlich gut für die Firmen günstigere Mitarbeiter zu haben, als wenn sie Personen einstellen, die schon eine Ausbildung gemacht haben und die grössere Löhne haben... Es ist für mich sehr tragisch, dass vor allem Leute, die keinen Kontakt zu Flüchtlingen haben, manchmal falsch interpretieren. Sie denken, dass die Flüchtlinge nur Sozialhilfen bekommen und sonst den ganzen Tag nichts tun. Aber mit bestimmtem Status oder Ausweis darf man gar nicht arbeiten. Manchmal bekomme ich Depressionen, weil ich den ganzen Tag zu Hause bin und gerne etwas arbeiten möchte und mir viel Gedanken mache. Das ist gar nicht gut für die Gesundheit. Aber es ist überhaupt nicht so. Jeder hat sicher einen Wunsch, eine Absicht oder ein Ziel. Ich glaube, niemand ist gerne von jemandem abhängig.
Ich persönlich bin sehr froh, wenn ich so schnell wie möglich die Sprache noch besser lernen kann, und danach eine Ausbildung machen kann um mich nachher vom Sozialamt unabhängig zu machen.

Ich danke allen Menschen, die uns Flüchtlingen mit Verständnis begegnen und uns Chancen geben, dass wir unser Leben selbstverantwortlich leben können.

Ich danke Ihnen fürs Zuhören und wünsche Ihnen weiter eine gute Zeit, gesegnete Weihnachten und ein gutes neues Jahr.„






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